Let’s talk about design…

Experten im Dialog zum Produktdesign von Premium-Marken

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Es war ein gelungenes Experiment: Zwei Designer, aus zwei international renommierten Unternehmen ganz unterschiedlicher Branchen, haben sich an einen Tisch gesetzt, um sich über Produktdesign für Premium-Marken auszutauschen.

In den Räumen der RECARO Holding trafen sich Bettina Hermann, Director Design und Produktmanagement von Rolf Benz Polstermöbel, und Oliver Forgatsch, Head of Ergonomics & Design von RECARO. In einem moderierten Gespräch über Design, Komfort und Ergonomie waren beide überzeugt: Sitze und andere Sitzmöbel verlangen einen enorm hohen Designanspruch.

Oliver Forgatsch und Bettina Hermann im Gespräch.
Oliver Forgatsch und Bettina Hermann im Gespräch.

Wir wollten wissen, wie wichtig die Handschrift des Designers für ein Produkt und dessen Akzeptanz ist…

Bettina Hermann: Für mich muss gutes Design den Benutzer erfreuen und funktional sein. Dafür entwickelt man im Lauf der Zeit seine Handschrift, die dann auch an den Produkten erkennbar wird. Ich persönlich bin ein absoluter Rechtwinkler. Bei Rolf Benz verantworte ich die Designkonzepte, denn obwohl wir mit freien Designern arbeiten, muss alles stets zur Marke passen. Eine klare Rolf Benz Aussage ist wichtig – sicher auch für die Akzeptanz der Produkte.

Oliver Forgatsch: Wir leben in einer Welt, die gestaltet ist, und das betrifft vor allem die Produkte darin. Umso wichtiger ist ein unterlegter Wertekanon, der sichtbar macht, wofür wir stehen. RECARO hat dafür einen Wertekatalog entwickelt, denn wir wollen nicht nur durch Ästhetik begeistern. Ingenious Design steht für die Verschmelzung von Ästhetik, Ergonomie und der Funktion in einem Produkt. Eine Lösung bei der der Mensch und seine Bedürfnisse im Fokus stehen.

Bettina Hermann: Das stimmt. Wir dürfen Design nicht nur auf Form und Schönheit reduzieren, sondern müssen den Benutzer ins Zentrum stellen. Außerdem stelle ich mir auch immer die Fragen: Wie wird das Produkt hergestellt? Welche technischen Möglichkeiten braucht es?

Wie steht es mit der Aussage: „Gutes Design muss zeitlos sein“?

Bettina Hermann: Ja und nein. Wir müssen unsere Möbel an den Zeitgeist anpassen, und das muss international und interkulturell funktionieren. Wohnen hat sich in den letzten zehn Jahren sehr stark verändert. Der Esstischstuhl ist beispielsweise deutlich leichter geworden, das Sofa hat sich vom repräsentativen Objekt zum interaktiven Familienmittelpunkt entwickelt und dient primär der Entspannung. Für das Design bedeutet das: Verbringen Gäste mehr Zeit auf dem Stuhl am Esstisch als auf dem Sofa, sollten auf dem Stuhl verschiedene Sitzpositionen möglich sein. Neben der Ergonomie und der Form des Möbels lege ich großen Wert auf den Sitzbezug – der sollte atmungsaktiv sein.

Oliver Forgatsch: Wir streben nach einer möglichst reduzierten einfachen Gestaltung, die das Zeug zu einem Klassiker hat. Wir möchten aber gleichzeitig unserem Kunden genügend Spielraum einräumen, um seiner Strategie und seinen individuellen Ansprüchen Raum zu geben. Deshalb müssen wir wissen, was der Kunde und der Nutzer brauchen. Diese Erkenntnis lassen wir im Team in die Produktentwicklung einfließen. Schaffen wir diese Verbindung in einer intuitiv zugänglichen Weise, ist das eine gute Voraussetzung für ein zeitloses Design.

Wir sitzen heute mehr…

Oliver Forgatsch: Daher ist es umso wichtiger, gut zu sitzen. Genauer: dass wir in allen Positionen gut abgestützt unterschiedliche Körperhaltungen einnehmen können. Auf der Langstrecke in der Business Class beispielsweise ermöglicht eine elektrisch einstellbare Kinematik alle möglichen Positionen vom flachen Bett bis zur Arbeitsposition mit direktem Zugang zum Gang. Auf unserem neuen Business-Class-Sitz kann man auf effektiv ausgenutztem kleinen Raum entspannt arbeiten, schlafen und essen. Andere Neuerungen fordert die der technologische Fortschritt fordert, wie einen Tablet-Halter und einen Anschluss für das Handy, werden effektiv in den Sitz integriert.

Bettina Hermann: Ich denke mir, dass man beim Flugzeugsitz die Funktionalität im Produkt gut sichtbar machen muss. Bei uns hingegen ist kein technischer Look gefragt, es dürfen keine Knöpfe und Hebel am Produkt sichtbar werden. Die Funktionalität muss intuitiv, aber versteckt sein. Bei der Sitzoptik steht der Komfort im Vordergrund. Was der Kunde sich wünscht, sollte das Möbel auch ausstrahlen. Je nach Sitzgeschmack, etwas weiches Kuschliges oder etwas festes Kompaktes, Möglichkeiten, die Beine hochzulegen, den Kopf abzustützen.

Worin liegt die professionelle Faszination ein Sitzmöbel oder einen Flugzeugsitz zu entwerfen?

Oliver Forgatsch: Für mich sind die Vielfalt der Aufgaben und die unterschiedlichen Herausforderungen in dem breiten Produktportfolio besonders spannend. Von gewichtsreduzierten Economy-Class-Sitzen bis hin zu Business-Class-Produkten mit neuen Wellness Features wie der Sitzheizung oder dem Mood Light. Für die Business Class haben wir ein intuitives Panel mit drei Hauptpositionen entwickelt für einen schnellen Zugriff auf die wesentlichen Funktionen. Auch wir versuchen, den Charakter des Sitzes mit der Optik nach außen zu transportieren. Über Konturen und Nähte machen wir den Komfort sichtbar. Wir nennen das visual comfort. Am Ende ist die Ästhetik eine Funktionalität, denn das Produkt teilt dem Benutzer etwas mit und erzeugt bei ihm Wohlbefinden.

Bettina Hermann: Wir halten daran fest, Produkte so zu entwickeln, dass sie gut funktionieren und ästhetisch sind. Daher ist für Designer ein technologisches Verständnis zentral. Auch die Langlebigkeit ist ein Teil des Designs. Die Marke Rolf Benz genießt diesbezüglich weltweit viel Vertrauen.

Bedeuten Ihnen dabei Auszeichnungen und Preise etwas?

Bettina Hermann: Als Marke ist es wichtig, regelmäßig Preise dokumentieren zu können. Das ist für Kunden eine Vertrauensgrundlage und nicht selten ein Verkaufsargument. Daher unterstütze ich im Unternehmen, dass wir uns um Design-Preise bewerben, die inhaltlich relevant sind.

Oliver Forgatsch: Das erste Kriterium ist die Kundenzufriedenheit. Aber selbstverständlich sind Designpreise ein tolles Feedback für das gesamte Team und eine Wertschätzung von außen. Mich würde zum Schluss aber mal noch interessieren: Wie würden Sie denn einen Flugzeugsitz designen?

Bettina Hermann: Hygiene ist mir auf Reisen ganz wichtig. Wenn ich sehe, dass Bedienoberflächen einfach zu reinigen sind, gibt mir das ein besseres Gefühl. Und ich wünsche mir sensiblere Farbwelten, wie im Wohnbereich. Ach ja, und auch im Flugzeug sind mir atmungsaktive Materialien wichtig, damit man nicht schwitzt…

Oliver Forgatsch: …dafür setzen wir beispielsweise noch viel Wolle in den Bezügen ein. Und zum Thema Hygiene haben wir was für Sie: antibakterielle Oberflächen, die Bakterien zerstören. Was die Interieur-Farben angeht – das bestimmen immer noch die Airlines. Das können wir nicht beeinflussen.

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